Schlüsselpersonen der Berner Gesundheit sensibilisieren Familien für Tabak- und Nikotinprävention
Die Schlüsselpersonen der Berner Gesundheit setzen sich in den Peer-Projekten Migram und PaPa-Rat direkt vor Ort für Gesundheitsthemen in migrantischen Communities ein.
In Gesprächen mit Familien thematisieren sie Konsumgewohnheiten, Vorbilder und Risiken – und bestärken so das so Bewusstsein für gesündere Entscheidungen. Triagen an weitere Fachstellen und auch ans Beratungsangebot der Berner Gesundheit bilden eine wichtige Grundlage ihrer Arbeit. Im Interview der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz berichten zwei Schlüsselpersonen, wie sie Tabak- und Nikotinkonsum ansprechen, welche Herausforderungen sie dabei erleben und welche Erkenntnisse aus Fachveranstaltungen ihre Arbeit stärken.
Worum geht es in Ihrer Arbeit, und mit welchen Personen arbeiten Sie?
Heike: In den Communities ist das Thema Tabak und Nikotin sehr verbreitet. Gerade Jugendliche konsumieren oft Vapes. Wir als Multiplikator:innen werden für die Bedeutung der Vorbildfunktion von Eltern sensibilisiert, reflektieren unser eigenes Verhalten und unsere eigene Haltung. Wir erhalten Informationen zu den Folgen des Tabak- und Nikotinkonsums und Grundlagen, wie wir das Thema in unseren Communities und gegenüber den Eltern ansprechen können.
Regina: In den Kontakten mit den Familien kommt das Thema Tabak- und Nikotinkonsum oft zur Sprache. Neben den offiziellen Terminen als Schlüsselperson sind es meist sehr spontane Kontakte in einem Restaurant oder in einem Einkaufsladen. Diese Gelegenheiten nutze ich, um das Thema Sucht und Tabak/Nikotin aufzugreifen. Auch mit Jugendlichen.
Sie waren zum ersten Mal an der AT-Tagung dabei. Wie haben Sie diese erlebt?
Heike: Es war unsere erste Teilnahme an der Tagung und wir haben die Möglichkeit, unsere Arbeit und unseren Einsatz für vulnerable Gruppen sichtbar zu machen, und zur Vernetzung sehr geschätzt. Die Arbeit als Schlüsselpersonen bei der Berner Gesundheit ist sehr wertvoll. Die Poster Session hat unsere Arbeit an der Basis gut sichtbar gemacht und unter Fachpersonen die Möglichkeit gegeben, die gemeinsame Stossrichtung in der Prävention von Tabak und Nikotinprodukten spürbar zu machen.
Regina: Es war eine sehr gute Tagung. Die Menge der Informationen und die aktuellen Entwicklungen waren sehr gut. Es hat mich sehr überrascht, wie gross das Engagement der Fachpersonen ist und ihr Einsatz für die Bevölkerung.
Was nehmen Sie von diesem Tag mit?
Heike: Zu wissen, dass viele Menschen auf unterschiedlichen Stufen und mit unterschiedlicher Expertise am Thema von Tabak und Nikotin arbeiten, hilft uns in der Praxis, auf einer soliden Grundlage zu arbeiten. Es braucht viel Einsatz und Aufwand, um im Bereich der Tabak- und Nikotinprävention auf dem Laufenden zu sein und etwas zu erreichen. Es zählt jeder Einsatz, um die Situation differenziert zu beurteilen und auf das Thema zu sensibilisieren.
Regina: Ich konnte mich einen ganzen Tag mit Tabak- und Nikotinthemen auseinandersetzen und diese Themen auch reflektieren. Es hat mich auch ernüchtert zu sehen, wie monetäre Aspekte die Gesundheit der Menschen überwiegen kann. Das hat mich auch erschreckt und gezeigt, wie wichtig Informationen sind. Es sollten alle Menschen an einer solchen Tagung teilnehmen können und die Grösse des Problems sehen.
Was hoffen Sie, dass andere aus Ihrer Arbeit mitnehmen?
Heike: Ich hoffe, dass wir mit unserer Arbeit die Möglichkeit bieten, über Konsumverhalten nachzudenken und vielleicht sogar zu hinterfragen. Diskussionen zu ermöglichen und schlussendlich auch informierte Entscheidungen treffen zu können. Wir versuchen, Informationen zugänglich zu machen und auch angebotene Produkte wie Vapes kritisch zu hinterfragen. Mit Eltern im Gespräch zu sein, ist unsere Aufgabe.
Regine: Der Konsum betrifft immer auch die ganze Familie. Raucht ein Familienmitglied, haben alle weniger Geld. Erkrankt ein Familienmitglied an den Folgen des Rauchens, ist das ein Verlust für die ganze Familie. Ich hoffe, dass meine Arbeit bei den Landsleuten auf das Gesundheitsrisiko und die Breite der Auswirkungen vom Konsum der Tabak- und Nikotinprodukte hinweisen kann.


Das Interview stammt aus dem Jahresbericht 2024 der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz.
Zum Projekt aus dem kantonalen Tabak- und Nikotinpräventionsprogramm (KTNPP)
Das Projekt wird auch im Jahr 2026 fortgeführt. Die Schlüsselpersonen bieten in Gruppenworkshops in ihren Communities die Möglichkeit, sich über Tabak- und Nikotin zu informieren und sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Workshops richten sich gezielt an Eltern und Bezugspersonen. Vereine oder Communities, die Interesse an solchen Workshops haben, können sich direkt bei der Berner Gesundheit melden.